Im Falle des Vorliegens einer Verletzung wegen der urheberrechtswidrigen Verwendung von fremden Fotos stehen dem Rechteinhaber, also zumeist dem Fotografen, soweit Rechte nicht Anderen übertragen wurden, eine Vielzahl von Ansprüchen zu. Das Gesetz sieht hierbei vor, dass diese Ansprüche zunächst außergerichtlich im Wege einer Abmahnung gegenüber dem Verletzer geltend gemacht werden, §§ 97, 97a UrhG.

1. Unterlassungsanspruch gem. § 97 UrhG

Ansprüche des Urhebers bei VerletzungSoweit das Urheberrecht durch einen Dritten verletzt wird, steht dem Verletzten ein Anspruch auf Unterlassung dieser Handlung zu. Im Rahmen der Abmahnung wird der Verletzer sodann regelmäßig aufgefordert, eine sogenannte strafbewehrte Unterlassungserklärung abzugeben. Ein Unterlassungsanspruch wird nach deutschem Recht regelmäßig durch die Abgabe einer strafbewehrten Unterlassungserklärung erfüllt. Nur so kann nach der höchstrichterlichen Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes die sogenannte Wiederholungsgefahr ausgeräumt werden.

Ein Unterlassungsanspruch besteht einerseits, soweit die beanstandete Handlung bereits begangen wurde, andererseits kann auch ein Unterlassungsanspruch geltend gemacht werden, wenn eine Zuwiderhandlung, bspw. durch Ankündigung, erstmals droht und eine Rechtsverletzung noch gar nicht eingetreten ist.

Im Falle einer Urheberrechtsverletzung durch die Verwendung von fremden Fotos würde man also sodann im Rahmen der Abmahnung den Verletzer auf Unterlassung in Anspruch nehmen und diesen unter Fristsetzung auffordern, eine strafbewehrte Unterlassungserklärung abzugeben. Kommt es zu der Abgabe einer strafbewehrten Unterlassungserklärung, wäre der Anspruch erfüllt. Im Falle einer Zuwiderhandlung wäre der Gegner sodann dazu verpflichtet, eine empfindliche Vertragsstrafe, die regelmäßig bei einer Erstbegehung zwischen 1.000,00 € und 5.000,00 € liegen dürfte, an den Fotografen zu zahlen. Weigert sich die Gegenseite, eine Unterlassungserklärung abzugeben, stünden hier gerichtliche Maßnahmen offen, wie bspw. die Einleitung eines einstweiligen Verfügungsverfahrens oder eines normalen Klageverfahrens.

2. Anspruch auf Erstattung der Kosten der eigenen Rechtsverfolgung

Soweit die Abmahnung berechtigt ist, kann der Verletzte, mithin in den meisten Fällen der Fotograf, von dem Anspruchsgegner auch die Erstattung der eigenen Kosten der Rechtsverfolgung verlangen.


Beispiel: Der A, ein Berufsfotograf, stellt fest, dass der Onlinehändler B im Rahmen der Bewerbung seiner Angebote ein hochwertiges Produktfoto verwendet, ohne dass die erforderliche Einwilligung vorliegt.


In diesem Fall steht dem Fotografen neben dem Unterlassungsanspruch die Zahlung der Kosten des eigenen Anwaltes durch die Gegenseite zu. Die Kosten des eigenen Anwaltes bemessen sich hierbei regelmäßig nach dem Gegenstandswert. Dieser wird bei urheberrechtlichen Angelegenheiten, die zwischen zwei gewerblich handelnden Personen anhängig sind, regelmäßig bei einem Foto bereits mit Streitwerten in Höhe von 3.000,00 bis 10.000,00 € bemessen. Unter Zugrundelegung des Rechtsanwaltsvergütungsgesetzes würden hierdurch Kosten der Rechtsverfolgung zwischen 281,30 € (bei einem Streitwert von 3.000,00 €) bis zu 745,40 € netto (bei einem Streitwert in Höhe von 10.000,00 €) entstehen. Wohlbemerkt handelt es sich hierbei lediglich um denjenigen Fall, wenn durch die Gegenseite ausschließlich 1 Foto verwendet wird.

3. Lizenzschadensersatz

Dem Verletzten steht gegenüber dem Verletzer auch ein Anspruch auf Lizenzschadensersatz für die Verwendung des fremden Bildmaterials zu, § 97 Abs. 2 UrhG. Die Höhe des Lizenzschadensersatzes pro verwendetem Foto richtet sich immer nach dem Einzelfall. Entscheidend sind hierbei folgende Einzelfallkriterien:

  • Auf beiden Seiten Unternehmer
  • Bestehende Vertragspraxis beim Fotografen
  • Anwendbarkeit der MFM-Honorartabellen
  • Verwendung durch eine Privatperson

An den oben genannten Kriterien orientiert sich im Regelfall die Rechtsprechung. Liegt bei dem Fotografen bspw. eine konkrete Vertragspraxis vor, d.h., nimmt er für die Rechteübertragung an Fotos grundsätzlich immer ein einheitliches Honorar abhängig von der Nutzungsdauer, kann der Fotograf grundsätzlich nach dieser Vertragspraxis abrechnen.


Beispiel: Der Fotograf F bietet ein bestimmtes Bild aus seinem Portfolio bei einer Verwendungsdauer von 2 Jahren regelmäßig zu einem Pauschalpreis in Höhe von 400,00 €.


Wird dieses Bild für einen Zeitraum von 2 Jahren durch den Verletzer verwendet, hätte er in diesem Fall auch einen Betrag in Höhe von 400,00 € für das verwendete Foto zu zahlen.

Liegt eine konkrete Vertragspraxis des Fotografen nicht vor, können unter Umständen auch die sogenannten MFM-Empfehlungen – die Mittelstandsgemeinschaft Fotomarketing – zur Anwendung kommen. Diese ermittelt jährlich aktuelle Honorare für Fotonutzung in Deutschland und gibt diese unter dem Titel „Bildhonorare“ jährlich heraus. In dieser jährlich erscheinenden Publikation sind für verschiedene Verwendungsszenarien und Nutzungszeiten unterschiedliche Honorare mit entsprechenden Zuschlägen festgesetzt.

Die MFM-Honorartabellen kommen jedoch nicht in jedem Fall zur Anwendbarkeit. Die grundsätzliche Linie der Rechtsprechung besteht darin, dass die Anwendbarkeit der MFM-Honorartabellen nur dann zur Anwendung kommen kann, wenn auf beiden Seiten, mithin auf Seiten des Fotografen sowie auf Seiten des Rechteverletzers unternehmerisch gehandelt wird.


Beispiel: Der Berufsfotograf entdeckt bei dem Onlinehändler O ein Foto, welches durch den Onlinehändler ohne Berechtigung benutzt wird. Die Nutzung erfolgt bereits seit 3 Jahren. Des Weiteren unterlässt der Onlinehändler die entsprechende Urheberbenennung.


Soweit man hier die konkrete Anwendung der MFM-Honorartabellen bejaht und nach diesen abrechnen würde, würde sich für den Onlinehändler die Verpflichtung zur Zahlung des folgenden Lizenzschadensersatzes ergeben:

Grundhonorar für die Verwendung 3 Jahre: 695,00 €

100 %-iger Aufschlag wegen fehlender Urheberbenennung: 695,00 €

zzgl. 50 %-iger Zuschlag wegen Verwendung im Onlineshop: 347,50 €

Gesamt: 1.737,50 €


Die Höhe des zu zahlenden Lizenzschadensersatzes ist jedoch immer eine Frage letztendlich des Einzelfalles. In der Praxis zeigt sich hier das auch bei der Verteidigung gegen Abmahnungen regelmäßig ein großer Verhandlungsspielraum vorhanden ist, soweit professionell und spezialisiert verteidigt wird.

4. Auskunftsansprüche

Dem Fotografen als Verletzten steht gegen den Verletzer grundsätzlich auch ein Anspruch auf Auskunft, insbesondere auf die Dauer der Verwendung zu. Wird die Auskunft falsch oder gar nicht erteilt, kann dieser Anspruch auch gerichtlich durchgesetzt werden.

5. Vernichtung

Ferner stehen dem Urheber auch Ansprüche auf Vernichtung zu. Dies wäre beim Fall der Verwendung einer digitalen Fotografie letztendlich die Löschung. Auch dieser Anspruch ist grundsätzlich gerichtlich durchsetzbar.

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